Freitag, 8. Juni 2012

Wagners Musik in Israel umstritten

"Der israelische Dirigent Asher Fisch setzt sich dafür ein, dass doch ein Konzert stattfindet

TEL AVIV - Der israelische Dirigent Asher Fisch hält die Musik von Richard Wagner für unverzichtbar im Repertoire israelischer Orchester. „Wagner ist einer der wichtigsten Komponisten der Geschichte – ob es einem gefällt oder nicht“, sagte Fisch gestern.
Das zunächst abgesagte erste große Wagner-Konzert in Israel soll nun doch stattfinden – am 16. Juni im Tel Aviver Hilton-Hotel. Der seit 1938 herrschende Boykott Wagners (1813-1883) basiere überwiegend auf Unwissenheit, sagte Fisch. „Auch hochintelligente Menschen, die ich frage, ,Wann hat Wagner gelebt?’, sagen mir fast ausnahmslos – zur Zeit von Nazideutschland.“ Er wolle Wagners Ansichten nicht rechtfertigen, sagte der 1958 in Jerusalem geborene Dirigent. „Er hat ,Das Judentum in der Musik’ geschrieben, und das ist ganz eindeutig ein antisemitischer Aufsatz.“ Dennoch müsse seine Musik in Israel gespielt werden. „Wagner hat die klassische Musik mehr als jeder andere Komponist beeinflusst – er war ein Revolutionär.“ Es könne nicht angehen, dass israelische Orchestermusiker „ihr professionelles Leben leben, ohne Wagners Musik gespielt zu haben“.
Fischs Eltern stammen beide aus Deutschland und haben ihre Familien während des Holocaust verloren. Seine 1924 in Chemnitz geborene Mutter besuche jedoch alle seine Konzerte in Deutschland und Österreich. Besonders bewegend sei es für sie gewesen, ihren in Israel geborenen Sohn in der Wiener Staatsoper zu erleben, als er Richard Wagners „Parsifal“ dirigierte. „Für sie und für viele deutsche Juden ist das ein Sieg.“ Fisch sagte, es bringe ihn in Rage, dass der letzte Boykott gegen Deutschland ausgerechnet im Kulturbereich herrsche. Auf deutsche Produkte wolle in Israel niemand verzichten. „Und das U-Boot: Es gibt kein stärkeres Symbol für den Schrecken, in den die Nazi-Armee die ganze freie Welt versetzt hat, als das U-Boot.“ Israel habe jedoch kein Problem damit, U-Boote aus Deutschland zu erwerben. „Und jetzt bleibt uns noch ein Symbol, das wir wahren, um sagen zu können, wir haben den Holocaust nicht vergessen – Wagner.“ dpa (Von Sara Lemel)"
Quelle MAZ vom 8.6.12

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