Donnerstag, 28. Juni 2012

Trommler Schroeder

"War Nazi-Deutschland eine Demokratie? Ja, sagt ein Viertel der Jugendlichen. Ist die Bundesrepublik eine Demokratie? Nein, meinen 40 Prozent der Befragten einer Studie des Forschungsverbundes SED-Staat. Von „erschreckenden Ergebnissen“ spricht Studien-Autor Klaus Schroeder, sieht die Demokratie in Gefahr, die jungen unwissenden Köpfe verführbar durch Populisten von links und rechts. „Es muss alle Verantwortlichen in Deutschland wachrütteln“, sekundiert Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), der die Studie zum großen Teil bezahlt hat.
Geht es vielleicht eine Nummer kleiner? Die Demokratie bricht nicht gleich zusammen, wenn Neunt- und Zehntklässler ein diffuses Staatsverständnis und eklatante Wissenslücken bekunden. Neu ist das sowieso nicht. Zudem ist völlig unklar, wovor genau man jetzt Angst haben müsste. Den Jugendlichen ist nämlich mitnichten egal, in welchem Staat sie leben. 60 Prozent haben ein positives Bild vom heutigen Deutschland. Für Befragte im spätpubertären Rebellenalter ist das alles andere als erschreckend. Zudem bleibt völlig unklar, welchen Demokratiebegriff die Forscher um Schroeder eigentlich abfragen: Geht es um Wissen oder um Werturteile? „Die Bundesrepublik ist keine Demokratie, weil die Wirtschaft und nicht das Volk die Politik bestimmt“, lautete eine Frage. Darüber lässt sich diskutieren, in Schroeders Studie ist das nicht vorgesehen.
„Soziales Paradies oder Stasi-Staat“ hieß die Vorläufer-Untersuchung von 2007, bei der nach dem DDR-Bild gefragt wurde. Auch damals: eklatante Wissenslücken bei den Schülern und eine hitzige Diskussion um Fragen und Methoden. Seine Kritiker bügelt Schroeder als politisch motiviert ab. Trommeln kann er gut. Vielleicht besser als forschen."
Quelle MAZ vom 28.6.12

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