Dienstag, 19. Juni 2012

Potsdam - die Stadt der Schönen und Reichen


Geld regiert die Welt! Oder besser „Geld regiert Potsdam“ ?! Als Pritzwalker kann es mir eigentlich egal sein, aber was derzeit in unserer Landeshauptstadt Potsdam in Bezug auf die geplante Kunsthalle und dem damit verbundenen Abriss des Mercure-Hotels an Dreistigkeit und Verlogenheit abläuft, ist nicht zu überbieten. Ein großzügiger Milliardär will sich ein Denkmal setzen, was zweifelsohne auch im Sinne der Allgemeinheit ist. Dafür soll ein Stück Potsdam weichen, was von den Befürwortern offensichtlich als verdammungswürdiges Relikt aus DDR-Zeiten gesehen wir. Es regt sich verständlicherweise Widerstand, nicht nur wie behauptet von den bösen Kommunisten, da letztendlich auch eine „gräulicher Betonplatte im Ulbricht-Design“ zur Geschichte der Stadt Potsdam gehört. Nun zeigt Herr Plattner Größe und gibt sein Vorhaben auf, weil er das Projekt nicht gegen den Willen „auch nur eines einzigen Potsdamers“ durchsetzen will. Und jetzt kommen die „Schönen und Reichen“ ins Spiel. Schnell wird ein Feindbild aufgebaut, natürlich die Linken, die Betonköpfe, die ewig Gestrigen, und „überwiegende“ und „überwältigende“ Mehrheiten konstruiert, zur Demo aufgerufen. Die findet auch statt, zu sehen in Brandenburg Aktuell, der Moderator spricht von einigen Hundert, der Zuschauer erkennt bestenfalls fünf-sechshundert. Man interviewt Herrn Jauch, der spricht sehr „niveauvoll“ von „spezieller Kakofonie“, von der man denkt, das sie in Potsdam das Sagen hat und verweist ziemlich überheblich auf  entzückende Plattenbauten, an denen sich die entsprechenden DDR- Nostalgiker begeistern könnten. Am nächsten Tag kann man in der MAZ von 4000 Demonstranten lesen, aber auch von 1000 oder 1500 ist die Rede. Bei fast 160.000 Einwohner wohl eher keine „überwiegende“ und „überwältigende“ Mehrheit, von der Jauch oder von Saldern sprachen bzw. schrieben. Zur gleichen Zeit gibt es eine Umfrage bei Blickpunkt-Brandenburg bei der sich 70 % gegen den Abriss des Mercure-Hotels aussprechen, die Kommentare im Internet lassen ebenfalls keine „überwiegende“ und „überwältigende“ Mehrheit erahnen. Da fragt man sich, wer will hier eigentlich wem etwas vormachen? Vielleicht sollte man sich ganz einfach auf den Vorschlag der Linken einlassen und eine Bürgerbefragung durchführen? Damit könnte man auch den Eindruck aus dem Weg räumen, mit dem Abriss ein Relikt der DDR aus dem Weg räumen zu wollen. Und vor allem sollten sich alle Beteiligten im Ton mäßigen. Gerade von unseren Promis, allen voran Herrn Jauch, dürfte man in dieser Frage etwas mehr Niveau erwarten können.

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